WeTab – dumm gelaufen

Anfang Otober 2010 fliegt der Hersteller des Tablet-PCs WeTab mit gefälschten Nutzerbewertungen auf. Das Fallbeispiel ist kurios und geht als WeDepp-Debatte in die Geschichte des Online-Marketings ein. Die Firmenchefs des Unternehmens wollten mit Apples iPad konkurrieren und werden über Nacht zum Gespött der ganzen Branche.

Das hat natürlich eine Vorgeschichte: nämlich die eines falschen Verständnisses von Innovations-Marketing aber auch von der Macht der Nutzer in sozialen Netzwerken. Dieser Fall ist peinlich für die beteiligten Akteure aber ein geradezu ideales Beispiel für die Wirkung von Online-Marketing, auch wenn es hier gewaltig nach hinten los geht.

Kurz die nachprüfbaren Fakten:

  • Rückzug des WeTab-Chefs Helmut Hoffer von Ankershoffen am 4.10.10
  • öffentliche Entschuldigung für Nutzerbewertungen unter falschem Namen
  • tatsächlich zwiespältige Nutzerreaktionen auf die Markteinführung des WeTab bei Amazon

Das reicht für ein kommunikatives Desaster und eine Internetlawine, die wohl zum Marktaus des WeTab führen wird. Sicherlich wäre sogar ein freiwilliger, wenigstens temporärer Rückzug vom Markt anzuraten, um Vertrauen überhaupt wieder herstellen zu können.

Peinliches Produkt oder peinliche Promotion?

Die echten Nutzerbewertungen bei Amazon und die immer wieder verschobene Markteinführung des Tablet-PCs WeTab lassen vermuten, dass schon in der Produktentwicklung einiges schief gegangen ist. Innovationsmarketing bedeutet heutzutage, die Nutzer von Beginn an einzubeziehen und möglichst transparent am Prozess der Marktreifung teilhaben zu lassen. Ein solches Herangehen hätte den WeTab-Erfindern mehr Zuspruch unter den Frühadoptern gesichert. Nun bin ich kein Techniker und kann die Qualität des Produktes auch deshalb nicht beurteilen, weil mir ein WeTab noch nie zwischen die Finger gekommen ist. Peinlich war aber ganz sicher die PR-Panne, die sich der Firmenchef Helmut Hoffer von Ankershoffen geleistet hat. Er musste sich am 4. Oktober 2010 öffentlich dafür entschuldigen, dass er unter falschem Namen positive Nutzerbewertungen bei Amazon eingestellt hatte und seinen Hut nehmen: “Die beiden fraglichen Rezensionen auf Amazon habe ich privat verfasst ohne mich mit der übrigen Geschäftsführung oder unserer Kommunikationsabteilung abzustimmen.“ Da ist noch Wochenende. Montag kommt es dicke.

Für das Fallbeispiel besonders spannend ist die Wucht, mit der die Blogger-Szene dem WeTab danach unmittelbar zusetzt. Auch Twitter-Meldungen und Facebook-Einträge donnern Anfang Oktober zu tausenden durchs Internet und erzeugen eine Negativschlagzeile nach der anderen. Der Blogeintrag des Online-Journalisten Richard Gutjahr wird am Montag, 4.10. von zahlreichen anderen Online-Medien aufgegriffen. Gleichzeitig bekommt der Vorgang seinen eigenen Namen: „WeDepp“ steht jetzt für ein überaus ungeschicktes Online-Marketing, um es zurückhaltend auszudrücken.

Diese Lektion ist daraus zu lernen

Falsche Nutzerbewertungen (geschönte eigene, aber auch die negativen von Wettbewerbern) fliegen früher oder später auf. Finger weg davon! Wer soziale Medien, Web 2.0-Funktionen und Online-Communities für sein Online-Marketing einsetzen will, muss früher ausschlafen als bei den ersten negativen Bewertungen im Internet panikartig zu unlauteren Mitteln zu greifen. Eine strategische Planung und ein innovatives Marketing unter Einbeziehung der Nutzer ist möglich. das beweist in diesem Fall nicht zuletzt der Erfolg des Marktführers Apple mit seinem iPad.

Linkliste zum Fallbeispiel WeTab

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