Warum Bertha Benz getwittert hätte

Mehr als 140 Zeichen brauchte Bertha Benz in ihrem historischen Telegramm an ihren Mann nicht. Ihre Nachricht von der ersten gelungen Überlandfahrt mit der Erfindung von Carl hätte also gut bei Twitter gepasst: „@Carl_Benz: Fahrt nach #Pforzheim gelungen – wir sind bei der Oma angekommen! #Pferdeloserwagen #fährt“. Wer über Innovationen und Marketing nachdenkt, kommt heute an Social Media nicht vorbei. Versuchen wir uns einmal vorzustellen, wie es damals gewesen wäre, mit Twitter als Unterstützung im Innovationsmagement.

Bertha Benz' Twitternachricht
So hätte Bertha Benz' Twitter-Nachricht im August 1888 ausgesehen. Zwei Jahre nach dem Patent ihres Mannes, machte sie die erste Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim.
Twitter Bildschirmfoto
Tweet aus der Social Media-Abteilung der Daimler-AG am 1. Juni 2011. Die Brennstoffzelle kommt.

Das Jubiläum des Automobils verdeutlicht uns, wie Innovationsprozesse ablaufen. Sie sind immer geprägt von Pioniergeist, Skepsis und Gegenwehr, von Schwierigkeiten und deren Überwindung. Mit Social Media selbst ist das nicht anders. Als Twitter 2006 seinen Dienst aufnahm, hätte kaum jemand gedacht, dass selbst die Daimler-AG wie selbstverständlich Unternehmensnachrichten zwitschern würde. Übrigens auch inhaltlich waren Meldungen wie diese noch nicht denkbar: „Linde und Daimler treiben Infrastrukturaufbau für Brennstoffzellenfahrzeuge weiter voran http://bit.ly/mzfCpg

Welche Vorteile hätte Twitter dem pferdelosen Wagen gebracht?

Für Carl Benz und seine Erfindung wären Twitter und andere Social Media-Dienste äußerst hilfreich gewesen. Für den Fall, dass der Ingenieur dafür zu wenig Verständnis aufgebracht hätte, was nicht untypisch zu sein scheint, hätte sich seine resolute Frau bestimmt darum gekümmert. Benz hätte mit Twitter:

  • ein Team von Freizeit-Tüftlern um sich geschart, die ihm bei der Lösung der technischen Probleme geholfen hätten, viele davon sogar nur für ein #Dankeschön,
  • von diesem @Daimler und seiner Motorkutsche viel früher erfahren,
  • sich mit @Otto und @Diesel vernetzen können, um deren Ideen von Anfang an in sein Automobil zu integrieren, zumal der #Otto mit dem #Daimler sowieso nicht mehr so gut klar kam,
  • besonders innovationsfreundliche Kunden schon lange vor der ersten Ausfahrt von seinem Produkt begeistern können,
  • den Käufern seines Gasmotors (der vor dem Auto in Serie ging) einen schnellen Kundendienst einrichten können,
  • auf Rückmeldungen seiner Kunden viel schneller reagieren können.

Vor allem bei der Ansprache von Frühadoptern, auf der Suche nach Partnern und im Kundendienst ist Twitter ein hervorragendes Kommunikations-Instrument. Als Carla mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 heimlich nach Pforzheim aufbrach, um der Erfindung zum Durchbruch zu verhelfen, waren bereits viele erfolglose Jahre vergangen. Es gab Verfechter, Skeptiker und Gegner des Automobils. Sein späterer Siegeszug, die neue Mobilität veränderte auch unsere Kommunikation. Parallel entwickelten sich Rundfunk und Fernsehen. Alles wurde schneller. Wir erinnern uns noch gut an die ersten Jahres des Internets, als wir uns mit Modem durchs Netz quälten und froh waren über eine ISDN-Leitung. Das Internet trug dabei Social Media von Anfang an in sich. Machen Sie sich das bewusst! Wer Social Media als Unfug abtut, steht auf der selben Seite wie die Verfechter von Pferdefuhrwerken vor 125 Jahren. Hinweis auf Bildquelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

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