Corporate Design vs. Social Media

Marketingleiter landauf, landab stehen vor einem Dilemma. Social Media und Corporate Design vertragen sich nicht. Facebook-Seiten sehen immer irgendwie aus wie Facebook und nicht wie die eigene Marke. Twitter geht gleich gar nicht. Bis auf den Hintergrund und das Benutzerbildchen gibt es nichts zu gestalten. Besonders furchtbar ist der Umgang der treuesten Fans mit ihrer Marke. „Trauen die sich doch tatsächlich, unser Logo zu verwenden!“ Ein Aufreger hoch 3. Erst recht wenn sie es auch noch verunstalten, Bilder von der Webseite (über einen Link) einbinden. Es ist schrecklich. Die Internetnutzer halten sich nicht an unsere CI-Vorgaben.

Social Media sind der Fleischwolf für jedes Markendesign. (Image Credits: choconancy/flickr.com under cc)

Weiterlesen! Dieser Beitrag beantwortet folgende Fragen:

  • Wie sollten Unternehmen mit ihrem Corporate Design in Social Media umgehen?
  • Wie können die Interessen von Markeninhabern geschützt werden?
  • Wie vermeide ich Imageschaden für die Marke im Social Web?

Vom Corporate zum Social Design einer Marke

Was ist zu tun? F*** the Corporate Design in Social Media! Gut, drastischer hätte ich es nicht ausdrücken können, aber Sie müssen die Vorstellungen aus der Kommunikationssteinzeit abschütteln. Wer Social Media in der Unternehmenskommunikation fördern will, kann nicht gleichzeitig kleinlich auf Schriftarten, Punktabständen, Farbcodes und Logowinkeln herumreiten. Statt etwa die Verwendung des eigenen Logos restriktiv zu handhaben, können Sie es ausdrücklich zur Verwendung frei geben. Warum denn nicht? Was kann denn besseres passieren, als dass die Nutzer es in ihren privaten Blogs, Fotoalben auf flickr, in Youtube-Videos und an der Facebook-Pinwand um die Welt tragen? Nur vorschreiben wie es auszusehen hat, können Sie nicht.

Starke Marken werden von den Kunden getragen und nicht vom Design-Handbuch. Es ist geradezu das Prinzip von Social Media, dass sich das Gesicht Ihrer Marke verändert. Dazu gehört auch das Corporate Design. Der strategisch richtige Umgang mit Social Media basiert auf drei Prinzipien:

  • Nutzerbedürfnisse vor Eigennutzen
  • Zuhören vor Aussenden
  • Veränderung als Leitmotiv

Auch vor Social Media hat Werbewirkungsforschung längst bestätigt: Marken entstehen im Kopf des Kunden und nicht im Photoshop des Grafikers. Ob eine Marke und ihr Äußeres langfristig in Erinnerung bleiben, hängt von vielen Faktoren ab. Von der Produktqualität über den Service bis zum Corporate Design erlebt der Kunde ein stimmiges Konzept oder auch nicht. Das war schon immer so. Die Möglichkeiten des Mitmach-Internets erlauben den Kunden neuerdings, dieses Markenbild mit zu gestalten, durch Kommentare, Bewertungen, eigene Beiträge. Das bessere Image hat langfristig ganz einfach der, der seine Hausaufgaben gemacht hat. Kunden verstehen und besser werden! Das ist die Chance von Social Media, vollkommen unabhängig vom Corporate Design.

Konsequent sozial

Markenschutzrechte sind nicht dadurch verletzt, dass ein Fan Ihres Produktes, das Logo auf seinem Blog etwas verhunzt. Üben Sie Gelassenheit! Starke Marken können sich das leisten. Einschreiten sollten Sie nur, bei echter Produktpiraterie oder anderem kommerziellen Missbrauch Ihres Corporate Designs. Ansonsten lässt sich das Prinzip von Social Media hervorragend für die Unternehmenskommunikation nutzen, übrigens auch im „analogen“ Umfeld. Eine Privatschule fragte mich neulich, wie sie ihre Flyer und Broschüren besser gestalten könnte, damit sie auf Bildungsmessen nicht liegen bleiben. Meine Antwort: „Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, es Ihre Kinder machen zu lassen?“ Wozu der ganze Hochglanz, wenn die Nutzer eigene, weitaus glaubwürdigere Aussagen treffen können? Die neue Markenwelt ist konsequent sozial, also im Wortsinn auf den Austausch zwischen Menschen ausgerichtet.

Wie würden Sie handeln, wenn jemand einen Blog über Ihre Marke veröffentlicht? Abmahnungen für geklaute Fotos rausschicken oder gelassen mitlesen, die Nutzer vestehen lernen und in allen Bereichen versuchen, noch besser zu werden?

Übrigens: Zum Jahrestag des 1. Weltraumfluges zeigt mir Google dieses Logo

Wie denken Sie über den Widerspruch von Corporate Design und Social Media? Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen!

2 Kommentare auf “Corporate Design vs. Social Media

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