Krisenkommunikation der NATO im Kosovo-Krieg

Freie Universität Berlin, Institut für Publizistik / NATO Öffentlichkeitsarbeit, Brüssel

Aufgabe:

  • Analyse der NATO Presse-Briefings während des Kosovo-Krieges,
  • vergleichende Inhaltsanalyse mit Süddeutscher Zeitung und The Guardian,
  • Abschlussarbeit an der FU Berlin, Publizistik/Journalistenweiterbildung, 2000.

Einleitung:

Was nehmen Journalisten mit in den Krieg? Zahnbürste, Notizblock und Kugelschreiber. Standardausrüstung sind heute auch Handy, Notebook und je nach Medium Kamera oder Recorder. Mit diesen Utensilien bewaffnet, belagerten sie im Frühjahr 1999 sämtliche Hotels in Brüssel, mitunter noch Belgrad, Skopje oder Tirana. Hotels sind immer die ersten Gewinner des Krieges, weil die Presse kommt. Im Nachtschrank unter dem Funktelefon liegt dann meist eine unbeachtete Bibel, gelegentlich ein Koran. Vielleicht legt man Journalisten künftig ein weiteres Buch dazu: Phillip Knightley „The First Casualty“. Es stört beim Einschlafen.

Zusammenfassung der Ergebnisse:

Die NATO-Kommunikation im Kosovo-Krieg hatte trotz organisatorischer Schwächen eine hohe Wirkung auf den Verlauf des Konfliktes. Die Allianz musste sich der öffentlichen Unterstützung täglich neu versichern. Krisen bewältigte sie durch äußerst zielorientierte Kommunikationsplanung; allerdings erst nach der Bildung des Media Operation Centers, einem angloamerikanisch dominierten Krisenstab der NATO-Öffentlichkeitsarbeit. Eine langfristige PR-Strategie hatte es zu Beginn des Krieges nicht gegeben.

Auch in diesem Krieg spielte Propaganda eine wichtige Rolle, wenngleich sie seitens der NATO nicht so offen zu Tage trat wie auf Seiten der Regierung in Belgrad. Bestreiten lassen sich persuasive Elemente der PR im Ergebnis nicht. Die NATO selbst hatte im Verlauf des Konfliktes gelernt: Öffentliche Meinung war die verwundbarste Stelle der Allianz. Dies war zu Beginn unterschätzt worden. Eine Spaltung der Mitgliedsstaaten oder drastisch sinkende Unterstützung in den Schlüsselländern USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich hätten die gesamte Militäraktion in Frage gestellt und ihr den Boden entzogen.


NATO-Sprecher Jamie Shea, 1999 - Foto: NATO Öffentlichkeitsarbeit
NATO-Sprecher Jamie Shea, 1999 - Foto: NATO Öffentlichkeitsarbeit


Die Berichterstattung der Medien zum Kosovo-Krieg ist im ergebnis dieser Studie differenziert zu sehen. Journalisten haben nicht pauschal Argumente und Wortschatz der NATO übernommen, selbst wenn sie sich damit identifizierten. Dennoch bleiben qualitative Defizite der Berichterstattung, die nur mit klaren Kriterien sichtbar werden. Dazu gehört vor allem, dass den Ursachen des Konfliktes im Verlauf wenig Beachtung geschenkt wurde.

Bei der vergleichenden qualitativen Inhaltsanalyse schneidet der Guardian besser ab als die Süddeutsche Zeitung. Den Editoren des linksliberalen Blattes war es gelungen, Informationslücken zu schließen, häufiger über Hintergründe zu informieren und vielfältigere Blickwinkel zu finden. The Guardian trägt in diesem Konflikt durch einen kreativen Umgang mit Themen und journalistischen Regeln deutlich mehr zum Meinungspluralismus bei als die Süddeutsche Zeitung.

Dokumente:

Veröffentlichungen:

  • 23. März 2000, Deutschlandradio / Hintergrund Politik
  • Juni 2000, journalist Nr. 06/00
  • 16. Juni 2000, pr-report Ausgabe 1736
  • Schulbuch „Mediendemokratie“

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